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Telemedizin: Möglichkeiten, Grenzen und Risiken

3. Mai 2023

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Telemedizin

Möglichkeiten, Grenzen und Risiken der digitalen medizinischen Versorgung

Die sogenannte Telemedizin ist längst keine Zukunftsmusik mehr. Sie wird schon heute reichlich praktiziert und konnte ihre Stärken gerade in der Coronapandemie unter Beweis stellen. Dennoch stehen nicht wenige Menschen dieser Entwicklung skeptisch gegenüber und es gibt drängende Fragen zur Rechtslage rund um die digitale medizinische Beratung und Behandlung. Dieser Beitrag widmet sich der Telemedizin im Detail und stellt dabei die Chancen, aber auch die Risiken der fortschrittlichen Option für Ärzte und Patienten in den Vordergrund.

Telemedizin in der Definition

Bevor wir tiefer ins Thema einsteigen, möchten wir an aller Kürze erklären, was genau eigentlich gemeint ist, wenn von Telemedizin gesprochen wird. Die Telemedizin basiert auf modernen IKT – also Informations- und Kommunikationstechnologien – und überbrückt quasi die räumliche Distanz zwischen Arzt und Patient. Ärztliche Beratungen finden in diesem Sinne häufig per Chat oder Webcam-Termin statt. Patient und Arzt können sich sehen und hören, medizinische Belange besprechen und medizinische Daten – wie etwa Vitaldaten – austauschen.

Schon heute deckt die Telemedizin ein breites Anwendungsfeld ab, wobei ihre Potenziale sicherlich noch nicht voll ausgeschöpft werden. Die Technologie zur medizinischen Versorgung wird beispielsweise in der Notfallmedizin, zur Diagnosestellung und Therapieüberwachung, zu Beratungszwecken und zur Überwachung sowie engmaschigen Begleitung von Patienten genutzt.

Vorteile: Was für die Telemedizin spricht

Dass die Telemedizin ihre Vorteile hat, ist unstrittig. Insbesondere diese Punkte sprechen für die digitale medizinische Betreuung:

Flexibilität und geringer Aufwand

Ein Arztbesuch ist für den Patienten nicht selten mit einem hohen zeitlichen Aufwand verbunden. Alleine die Anreise und die Wartezeit stellen so manchen Hilfesuchenden vor eine gewisse Herausforderung. Diese Unannehmlichkeiten fallen mit der Telemedizin weg. Der Termin kann bequem von zuhause aus wahrgenommen werden, was auch eine flexiblere Zeitplanung ermöglicht. Ein Beispiel: Ein Patient, der sich für einen herkömmlichen Arzttermin womöglich den Vormittag freinehmen müsste, könnte den Termin digital in einer Arbeitspause – womöglich sogar vom Büro aus – in Anspruch nehmen.

Verbesserung der Versorgungslage

Vor allem in ländlichen Gebieten kann das telemedizinische Angebot die medizinische Versorgungslage gravierend verbessern. Denn: Hausärzte sind auf dem Land schon seit vielen Jahren ein rares Gut. Darüber hinaus erhalten Patienten die Möglichkeit, sich von Fachärzten, die nicht in ihrer unmittelbaren Nähe angesiedelt sind, beraten zu lassen.

Kostenersparnis

Zusätzlich kann mit der Telemedizin eine Kostenersparnis auf Seiten der Patienten, aber auch seitens der Ärzte einhergehen. So fallen für den Patienten zum Beispiel die Anfahrtskosten zur Praxis weg.

Risiken: Herausforderungen der Telemedizin

Vor allem aus rechtlicher Sicht birgt die Telemedizin einige Risiken, die nicht unerwähnt bleiben dürfen. Die beiden elementarsten Herausforderungen werden nachfolgend geschildert:

Datenschutz

Dass der Datenschutz ein vieldiskutierter Aspekt der digitalen medizinischen Behandlung ist, liegt auf der Hand. Hier sind Patienten und Ärzte gleichermaßen gefordert, denn beide Parteien sind mit ihren Endgeräten am Prozess beteiligt und entsprechend dafür verantwortlich, dass eine sichere Übertragung und gegebenenfalls Speicherung der Daten möglich ist. Das ist insbesondere deshalb von großer Bedeutung, weil medizinische Daten zu den persönlichsten und sensibelsten Daten gehören, die man sich überhaupt vorstellen kann.

Selbstverständlich sind medizinische Dienstleister, die eine telemedizinische Betreuung anbieten, per Gesetz dazu verpflichtet, sich an die DSGVO und weitere, in der spezifischen Thematik geltende Vorschriften des Datenschutzes zu halten.

Haftung und Dokumentation

Die vielleicht spannendste Frage zur Telemedizin ist die Haftungsfrage. Grundlegend gilt: Ein Arzt kann bei Behandlungsfehlern haftbar gemacht werden. Er muss sich an zahlreiche Vorschriften halten, medizinische Standards erfüllen und seiner Sorgfaltspflicht nachkommen – egal ob er Patienten vor Ort oder digital berät und behandelt. Hier sind Ärzte in der Pflicht, die Grenzen der Telemedizin realistisch einzuschätzen. Schließlich gestaltet sich beispielsweise eine Diagnosestellung in manchen Fällen deutlich schwieriger, wenn der Patient nicht „live und in Farbe“ begutachtet und untersucht werden kann.

Im Hinblick auf die Haftungsfrage ist die sorgfältige Dokumentation sämtlicher Maßnahmen der Fernbehandlung von zentraler Bedeutung. Steht später der Verdacht eines Arztfehlers im Raum, ist es nämlich nicht selten vor allem die Dokumentation, anhand derer diesem Verdacht auf den Grund gegangen werden kann.

Sind telemedizinische Behandlungen überhaupt rechtlich zulässig?

Die Zulässigkeit telemedizinischer Behandlungen ist eine Frage, deren Antwort in der Musterberufsordnung für Ärzte zu finden ist. Zwar sind Ärzte nach deutschem Recht daran gebunden, die Behandlung von Patienten persönlich durchzuführen, es gibt jedoch Ausnahmen. Je nach Fall, Zweck des Termins und notwendiger Behandlung ist eine digitale Beratung und Versorgung zulässig. Die Telemedizin kann so zum Beispiel legal zu reinen Beratungszwecken und zur Verschreibung von Medikamenten beziehungsweise Erneuerung von Rezepten genutzt werden.

Fazit: Telemedizin – Chancen nutzen, Risiken minimieren

Die einen sind überzeugt von ihr, bei anderen überwiegt die Skepsis: Geht es um die Telemedizin, so sind – selbst unter Ärzten – enorm vielfältige Meinungen vorhanden. Klar ist, dass die digitale Beratung und Behandlung von Patienten mit schwerwiegenden Vorteilen verbunden ist. Die andere Seite der Medaille zeigt Risiken und Herausforderungen auf, die es zu berücksichtigen gilt und denen unbedingt adäquat begegnet werden muss. Für Ärzte und Patienten, die die Telemedizin nutzen, ist es von großer Bedeutung, sich mit der Rechtslage auseinanderzusetzen und sich umfassend darüber zu informieren, wie hier Rechtssicherheit geschaffen werden kann.

Sie haben Fragen zur Rechtslage rund um die Telemedizin? Unsere Anwälte von KGH beraten Sie gerne – Sprechen Sie uns an!

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Oliver Stigler

Fachanwalt für Familienrecht und gewerblichen Rechtsschutz, ist ein Anwalt bei KGH in Nürnberg. Auf dem Blog von kgh.de teilt er sein umfangreiches Fachwissen und bietet wertvolle Einblicke in rechtliche Themen. Vertrauen Sie auf seine Expertise und lassen Sie sich von seinen Beiträgen inspirieren.

Zuständige Anwälte in diesem Fachgebiet:

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