„Schnäppchenpreis“ bei einer ebay-Auktion sittenwidrig?

14.11.2014Auch ein sehr geringer Preis führt nicht zur Sittenwidrigkeit.

Ausgangslage:

Der Verkäufer bot seinen Gebrauchtwagen über ebay bei einem Mindestgebot von 1,00 € an.

Der Käufer bot hierauf zunächst 1,00 € für den Pkw. Der Verkäufer brach einige Stunden später die ebay-Auktion ab.

Daraufhin informierte der Verkäufer den vermeintlichen ebay-Käufer, der mit seinem Anfangsgebot Höchstbietender blieb, er habe einen anderen Käufer gefunden der bereit wäre, hier einen weitaus höheren Betrag zu bezahlen.

Der Käufer verlangte dann Schadensersatz wegen Nichterfüllung. Er ging von einem wirksamen Kaufvertrag mit einem Kaufpreis von 1,00 € aus und verlangte Wertersatz für den Pkw in Höhe von mehr als 5.000,00 €.

Entscheidung des Bundesgerichtshofs:

Der Bundesgerichtshof hat in seiner Entscheidung vom 12.11.2014, Az. VIII ZR 42/14 der Schadensersatzklage recht gegeben. Er hat dabei entschieden, dass der Kaufvertrag nicht sittenwidrig ist. Er begründet dies damit, dass bei einer ebay-Auktion ein grobes Missverhältnis zwischen dem Maximalgebot des Käufers und dem Wert des zu ersteigernden Objektes nicht ohne weiteres auf eine verwerfliche Gesinnung des Bieters schließen lässt. Der BGH meint vielmehr, dass es gerade der Reiz einer Internetauktion sei, einerseits den Auktionsgegenstand zu einem „Schnäppchenpreis“ zu bekommen, andererseits der Verkäufer auch die Chance wahrnimmt, durch Überbieten einen sehr vorteilhaften Preis zu erzielen.

Der BGH sieht dabei auch keinen Rechtsmissbrauch, da es letztlich die freie Entscheidung des Verkäufers sei, durch die Wahl eines niedrigen Startpreises ohne Festsetzung eines Mindestgebotes einen unvorteilhaften Auktionsverlauf zu riskieren und es dann seine Entscheidung ist, durch einen Abbruch der Auktion das Risiko auch eintreten zu lassen.