Passagierrechte bei Lufthansa-Streik

05.09.2012Ersatzbeförderung, Betreuung, Entschädigung - Was kann der Passagier verlangen?

Aufgrund des Streiks der Flugbegleiter der Lufthansa kommt es derzeit zu massiven Verspätungen und Annullierungen von Flügen.

Ersatzbeförderung

Die Airline ist grundsätzlich verpflichtet, die Fluggäste auf dem schnellsten Weg zum gebuchten Ziel zu bringen. Das heißt, dass sich die Airline um anderweitige Möglichkeiten der Beförderung kümmern muss. Dies kann durch Umbuchung auf eine andere Airline ebenso erfolgen, wie durch eine Beförderung mit Bus oder Bahn sowie Rückerstattung des Ticketpreises.

Sollte eine Ersatzbeförderung nicht angeboten werden können und wird eine Verspätungsfrist von fünf Stunden überschritten, dann hat der Fluggast die Möglichkeit, vom Flug zurückzutreten und den Ticketpreis zurückzuverlangen.

Betreuungsleistungen

Nach der Verordnung stehen den Fluggästen während der Verspätungszeit Mahlzeiten und Erfrischungen in angemessenem Verhältnis zur Wartezeit zu. Die Verordnung regelt allerdings nicht, in welcher Höhe dies erfolgen soll. Im Regelfall werden von den Fluggesellschaften bei einer Verspätung von bis zu drei Stunden Gutscheine über € 10,00 ausgereicht.

Den betroffenen Passagieren muss weiterhin die Möglichkeit eingeräumt werden, Telefonate zu führen, Faxe zu versenden oder E-Mails zu schicken. Dies wird in der Verordnung genau geregelt, der Fluggast ist berechtigt, zwei Telefonate zu führen oder zwei Telefaxe oder zwei E-Mails zu versenden.

Vorstehende Regelungen sind an die Dauer der Verspätung gebunden.Bei Flügen von bis zu 1500 km sind diese Leistungen erst ab einer Verspätungszeit von zwei Stunden zu gewähren. Bei einer Strecke von 1500 – 3500 km gibt es Betreuungsleistungen erst nach drei Stunden, ab einer Entfernung von 3500 km erst nach vier Stunden. Dauert die Verspätung länger und ist deshalb eine Übernachtung notwendig, ist die Airline gegebenenfalls auch verpflichtet, eine Übernachtungsmöglichtkeit zur Verfügung zu stellen.

Entschädigung

Grundsätzlich besteht für Passagiere die Möglichkeit, bei einer Annullierung, Verspätung oder Nichtbeförderung eine Entschädigung nach der Verordnung 261/2004 zu erhalten.Diese beträgt pauschal bis zu € 600,00.

Eine Verpflichtung der Fluggesellschaft besteht jedoch dann nicht, wenn das Ereignis auf außergewöhnliche Umstände zurückgeht. Nach einer neueren Entscheidung des Bundesgerichtshofs liegen solche Gründe bei einem Streik wohl vor, so dass es im Regelfall keine Ausgleichszahlungen geben wird.Auch dies ist allerdings im Einzelfall zu überprüfen, da die Airline nach der Verordnung alle zumutbaren Maßnahmen ergreifen muss, um etwaige Verspätungen, Annullierungen oder Nichtbeförderungen zu vermeiden.


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