Zahlt die Unfallversicherung bei Sportverletzungen?

03.09.2012Auch Verletzungen beim Sport sind Unfälle im Sinn der privaten Unfallversicherung.

Ausgangslage

Im Rahmen der privaten Unfallversicherung entsteht oft Streit darüber, ob ein Unfall vorgelegen hat.

Laut den allgemeinen Unfallbedingungen (AUB 2008) liegt ein Unfall vor, wenn der Versicherte durch ein plötzlich von außen auf seinen Körper wirkendes Ereignis unfreiwillig eine Gesundheitsschädigung erleidet.

Ein solcher Unfall liegt dann nicht vor, wenn Vorgänge innerhalb des Körpers oder willensgesteuerte Bewegungen gegeben sind. So liegt z. B. kein Unfall vor, wenn sich der Geschädigte bückt und beim Wiederaufrichten eine Bandscheibenschädigung erleidet.

Gegenstand der Rechtsprechung sind häufig Sportverletzungen, die ohne Einwirkung des Gegners erfolgen. So hatte das OLG München einen Fall zu entscheiden, in dem ein Torwart sich beim Abschlag ohne Einwirkung des Gegners einen Muskelfaserriss zuzogund Dauerschäden erlitt.

Urteil des OLG München

In seinem Urteil vom 10.01.2012 (Aktenzeichen: 95 U 3980/11) hatte sich der Torwart beim Abschlag einen Muskelfaserriss zugezogen und einen verbliebenen Dauerschaden am Bein erlitten.

Der Versicherer war der Auffassung, dass kein Unfall vorliegt, da beim Abschlag eine vollständig beherrschbare Eigenbewegung vorliegen würde. Die Einwirkung des Balls auf den Fuß sei auch nicht „plötzlich“ gewesen. Sie habe vielmehr im Rahmen der willkürlichen Eigenbewegung gelegen.

Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs für die Frage, ob ein von außen wirkendes Ereignis vorliegt, ist lediglich das Ereignis selbst in Blick zu nehmen, welches die Gesundheitsbeschädigung unmittelbar herbeiführt. Nicht entscheidend sind demgegenüber die Ursachen, auf denen dieses Ereignis seinerseits beruht. Es macht insoweit keinen Unterschied, ob der Körper des Versicherten mit einer beweglichen oder unbeweglichen Sache kollidiert. Ob auch eine Eigenbewegung des Versicherten im Zusammenspiel mit äußeren Einflüssen als ein von außen auf seinen Körper wirkende Ereignis im Sinne dieses Unfallbegriffs angesehen werden kann, ist nur zu prüfen, wenn schon diese Eigenbewegung zur Gesundheitsschädigung geführt hat. Nach dieser Abgrenzung ist im vorliegenden Fall von einer Einwirkung „von außen“ auszugehen.

Die Gesundheitsbeschädigung - Einriss des Muskels - wurde unmittelbar durch den aufprallenden Ball und die dabei auf den Muskel einwirkenden Kräfte herbeigeführt und nicht schon durch die vorhergehende Eigenbewegung des Klägers, nämlich die volle Streckung des Beins und des Fußes.

Dass der Abschlag gewollt war, betrifft nicht die Einwirkung von außen, sondern die von den Versicherungsbedingungen weiter geforderten Merkmale „plötzlich“ und "unfreiwillig". Der Aufprall des Balls auf den Fuß ist auch „plötzlich“ erfolgt. Für dieses Merkmal spielt es keine Rolle, ob der Abschlag in vollem Umfang willensgetragen war.

Der Geschädigte hat die Gesundheitsbeschädigung auch unfreiwillig erlitten.

Das Merkmal der Unfallwilligkeit bezieht sich nicht auf das Unfallereignis, also hier auf das Zusammentreffen mit dem Ball, sondern auf die dadurch bewirkte Gesundheitsbeschädigung. Hätte der Geschädigte die Gesundheitsbeschädigung gewollt und billigend in Kauf genommen, läge keine Unfreiwilligkeit vor. Dies scheitert auch nicht daran, dass das Unfallereignis, durch eigenes plötzliches Handeln herbeigeführt wurde. Auch wer sich bewusst einer Gefahr aussetzt, erleidet die Gesundheitsbeschädigung unfreiwillig, selbst wenn er sich diese als möglich vorstellt aber darauf vertraut, sie werde nicht eintreten.


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