Prime select

14.06.2012Aktuelle Situation nach Insolvenz der Gesellschaft und Vorgehensmöglichkeiten für Anleger

Nach der Insolvenz der prime select AG stellen sich viele Anleger die Frage, was sie tun können, um ihre angelegten Gelder zu sichern. 

 

Entwicklung der Gesellschaft bis zur Insolvenz

 

Die prime select AG betrieb ein Geschäftsmodel, welches darin bestand, Lebensversicherungen von Kunden aufzukaufen, diese abzuwickeln und den Kunden dann dafür regelmäßige monatliche Zahlungen zu leisten, über welche diese nach den Versprechungen der prime select über das Doppelte des Rückkaufwertes der jeweiligen Versicherung erhalten sollten.

 

Die Finanzierung sollte darüber funktionieren, dass man über den Handel mit Immobilien aus Sondersituationen wie Zwangsversteigerungen entsprechenden Gewinn erzielt wollte, welcher dann den Kunden über die entsprechenden Dividenden ausbezahlt werden sollte.

 

Zur Absicherung wurde versprochen, dass es eine "Rückzahlungs- und Inflationsvorsorge" in der Weise geben würde, dass 40 % des Vertragsgegenwertes bei einer "Secure Capital AG" angelegt würden, die durch einen Treuhandkommanditisten überwacht wird.

 

An den KG-Anteilen sollte den Kunden ein unentgeltliches Ertragsnießbrauchrecht eingeräumt werden.

 

Die Verträge waren als "Nachrangdarlehen" ausgestaltet, was zur Folge hat, dass der jeweilige Anleger im Insolvenzfalle nur eine anderen Gläubigern nachrangige Forderung hat.

 

Hauptgrund für diese Ausgestaltung war wohl, dass man so die ansonsten bestehende Erlaubnispflicht der Geschäftstätigkeit beim Bundesaufsichtsamt für Finanzdienstleistungen umgehen wollte.

 

Seit Mitte letzten Jahres wurden die versprochenen Dividenden nicht mehr regelmäßig ausbezahlt, wobei seitens der prime select bzw. deren Vorstandes, Herrn Florian Gleich, immer wieder weitere Zahlungen zugesagt und auf bestehende Computerprobleme, den Wechsel der Hausbank oder den Umzug der Geschäftsräume in den Raum Saarbrücken zur Begründung der Zahlungsstockungen verwiesen wurde.

 

Im Übrigen berief man sich darauf, dass in den Vertragsbedingungen im Rahmen des Nachrangdarlehens auch die Möglichkeit einer Zahlungsaussetzung für zwei bis drei Monate vereinbart war.

 

Der Vorstand der Gesellschaft, Herr Florian Gleich, war bis 2006 österreichischer Landesdirektor der Akzenta AG, gegen die seitens der Staatsanwaltschaft München ein umfangreiches Verfahren wegen Kapitalanlagebetrug geführt wurde.

 

Ferner wird gegen Herrn Gleich bereits seit dem Jahre 2009 ein Ermittlungsverfahren wegen strafbarer Handlung im Zusammenhang mit einer anderen Beteiligungsgesellschaft namens GSM AG geführt.

 

Nunmehr wurde am 14.03.2012 hinsichtlich des Vermögens der prime select AG das vorläufige Insolvenzverfahren eingeleitet.

 

Vorgehensmöglichkeiten für Anleger

 

Damit scheinen die Einlagen der Anleger aktuell stark gefährdet.

 

Nach aktuellem Stand kommen folgende Vorgehensmöglichkeiten in Betracht. 

 

 

Zum einen die Anmeldung der Forderung im Insolvenzverfahren.

 

Diesbezüglich könnte man sich darauf berufen, dass der vereinbarte Nachrang gegenüber dem Anlegern als Verbraucher unwirksam ist, weil er die unangemessen benachteiligt.

 

 

 Ferner kommt in Betracht, sich im Insolvenzverfahren zusätzlich auf Schadensersatzansprüche zu berufen.

 

So hat sich nach entsprechenden Verlautbarungen im Rahmen von bereits geführten Verfahren vor dem Landgericht München I herausgestellt, dass auch nach der Ansicht der erkennenden Gerichte Hinweise auf einen Betrug seitens der Anlagegesellschaft vorliegen.

 

Dies unter anderem deswegen, weil die als Sicherheit nach den Anlageprospekten zugesagten 40 % des Vertragswertes nicht in Beteiligung an der Secure Capital AG & Co. KG geflossen sein sollen.

 

Ferner wurde darauf verwiesen, dass das Geschäftsmodel weitere massive Plausibilitätslücken aufweist.

 

 

Auf dieser Grundlage kommen auch zusätzlich auch Schadenersatzansprüche gegenüber dem Vorstand der Gesellschaft, Herrn Florian Gleich, sowie den weiteren Verantwortlichen in Betracht.

 

 

 Zusätzlich sind Schadensersatzansprüche wegen fehlerhafter Anlageberatung gegenüber den Anlageberater zu prüfen, die diese Anlagen vermittelt haben.

 

Sie haben nach der Rechtsprechung die Verpflichtung, die angebotene Anlage sowohl auf ihre wirtschaftliche Plausibilität zu überprüfen, als auch die Seriosität der Gesellschaft bzw. ihres Vorstandes zu klären.

 

So lässt sich argumentieren, dass über das Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Anlagebetruges gegenüber dem Vorstand aufgeklärt werden musste

 

Gegen die Plausibilität des Anlagemodels sprachen schon alleine die zugesagten Zahlungen von mehr als dem Doppelten des eingesetzten Kapitals, die zu Zinsen in einer Größenordnung von 16 % jährlich führten.

 

In jedem Falle sollte eine kurzfristige Überprüfung der Vorgehensmöglichkeiten durch einen auf Kapitalanlagerecht spezialisierten Anwalt erfolgen. Dafür stehen bei uns Rechtsanwälte Carl - Peter Horlamus, Oliver Stigler und Andreas Krause zur Verfügung.


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