Übersicht zur Schadensberechnung bei Verkehrsunfällen

11.11.2012Wann können Sie die Kosten einer Markenwerkstatt abrechnen?

In den letzten drei Jahren hat sich die Regulierung von Sachschäden an Fahrzeugen nach einem Verkehrsunfall auf Grund des VW-Urteils des BGH vom 20.10.2009 erheblich verändert.

Vor dieser Entscheidung ging der Geschädigte meist zu einem von ihm gewählten Gutachter, der die Reparaturkosten auf Basis der Stundenverrechnungssätze einer Markenwerksatt für das jeweilige Fahrzeug ermittelte.

Nunmehr sind folgende Möglichkeiten zu unterscheiden:

Fiktive Abrechnung

Fiktive Abrechnung bedeutet, dass der Geschädigte nur anhand eines Kostenvoranschlages oder eines Sachverständigengutachtens den Schaden reguliert.

Eine Schadensregulierung auf Basis der Kosten einer Markenwerkstatt  ist dann möglich, wenn das Fahrzeug nicht älter als drei Jahre ist. Stichtag ist der Unfallzeitpunkt ausgehend vom Zulassungsdatum.

Soweit das Fahrzeug älter als drei Jahre ist, kann die regulierende Versicherung auf eine preisgünstigere Werkstatt verweisen. Die von der Versicherung angebotene Reparaturmöglichkeit muss jedoch technisch gleichwertig einer Markenwerkstatt sein.

Die Werkstatt, die von der Versicherung mitgeteilt wird, muss marktübliche Preise anbieten und darf keine Sonderkonditionen auf Grund der Verbindung zum Versicherer anbieten. Nur wenn  diese Reparatur  für den Geschädigten unzumutbar ist, können die Kosten einer Markenwerkstatt verlangt werden.

Unzumutbarkeit kann vorliegen, wenn für das geschädigte Fahrzeug eine Herstellergarantie vorliegt, die eine Reparatur in einer Markenwerkstatt vorschreibt. Dies allein reicht jedoch nicht aus, sondern es muss mit rechtlichen oder tatsächlichen Nachteilen zu rechnen sein.

Eventuell kann sich auch aus den Leasingbedingungen eine Bindung an eine Markenwerkstatt ergeben.

Überwiegend unzumutbar ist der Verweis auf eine freie Werkstatt dann, wenn der Geschädigte sein Fahrzeug stets in einer Markenwerkstatt warten und reparieren lies. Hierzu können das Kundendienstheft oder Reparaturrechnungen vorgelegt werden.

Noch nicht geklärt ist, ob es auf die gesamte Fahrzeughistorie ankommt oder lediglich auf die Besitzzeit des Geschädigten. Zum Teil wird eine durchgängige Markenloyalität verlangt.

Durch den Verweis der Versicherung dürfen für den Geschädigten keine Nachteile dahingehend entstehen, dass die Werkstatt zu weit entfernt ist oder Mehraufwand für den Geschädigten entsteht . Mittlerweile bieten hier die Versicherungen sogar Hol- und Bringservices an.

Konkrete Abrechnung

Lässt der Geschädigte sein Fahrzeug in der Markenwerkstatt reparieren, muss die Versicherung auch die entsprechenden Stundenverrechnungssätze dieser Markenwerkstatt ausgleichen. So gilt jedoch auch hier, dass für eine konkrete Reparatur in einer Markenwerkstatt das besondere Interesse an einer Reparatur in einer solchen Werkstatt nachhaltig belegt werden muss.


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