BGH entscheidet zum Restwert

09.09.2010Wann muss der Geschädigte das Restwertangebot des Versicherers annehmen?

Ausgangslage: 

Nach einem Unfall ermittelt der Sachverständige einen Restwert des verunfallen Fahrzeuges, den er auf dem regionalen Markt ermittelt hat. Hierbei hat er im Gutachten drei konkrete Angebote von regionalen Anbietern anzugeben. 

Aus diesen drei Angeboten hat der Gutachter den Restwert zu ermitteln. Es obliegt seinem gutachterlichen Ermessen, ob er einen Durchschnittswert ermittelt oder das niedrigste oder höchte Angebot annimmt. 

Die Versicherer arbeiten häufig mit überregional tätigen professionellen Restwertaufkäufern zusammen und stellen die verunfallten Fahrzeuge in Internetrestwertbörsen ein. Häufig erhält dann der Geschädigte ein Schreiben des Versicherers mit einem erheblich höheren Restwertangebot. 

Hier stellt sich die Frage, in wie weit der Geschädigte verpflichtet ist, dieses höhere Restwertangebot anzunehmen. 

Entscheidung des Bundesgerichtshofs: 

In seinem Urteil vom 01.06.2010 (Az.: VI Z 816/09) hat der Bundesgerichtshof die Frage dahingehend entschieden, dass der Geschädigte grundsätzlich berechtigt ist, das Fahrzeug zu dem im Gutachten angegeben Restwert zu veräußern. 

Allerdings kann er unter bestimmten Voraussetzungen gezwungen sein, das höhere Angebot des Versicherers anzunehmen. Dies ist dann der Fall, wenn die günstigere Verwertungsmöglichkeit „ohne weiteres“ für den Geschädigten wahrnehmbar ist. 

Dies ist unter folgenden Voraussetzungen der Fall: 

Das Fahrzeug wird kostenlos beim Geschädigten vom Aufkäufer abgeholt. 

Der Aufkäufer übergibt den Kaufpreis bar bei Abholung. 

Alle Kontaktdaten des Aufkäufers sind angegeben, so dass der Geschädigte nur beim Aufkäufer zur Annahme des Angebots anrufen muss. 

Hinweis: 

Soweit aufgrund der wirtschaftlichen Gegebenheiten der Geschädigte sein Fahrzeug auch reparieren lassen kann, muss er ein höheres Restwertangebot des Versicherers natürlich nicht akzeptieren. 

Soweit der Geschädigte das höhere Restwertangebot des Versicherers nicht annimmt, läuft er Gefahr, dass er erhebliche Einbußen bei der Schadensregulierung hinnehmen muss. 

Der Versicherer kann dann den höheren Restwert, den der Aufkäufer bezahlt hätte, seiner Abrechnung zugrunde legen. 


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